Das Konzept
Was passiert, wenn man barocke Formstrenge, diese mathematisch ausbalancierte Architektur aus Motivik, Harmonik und Atem, durch den Emotionsverstärker moderner Trailer-Algorithmen schickt? Genau hier beginnt Neural Symphonic: ein Hybrid-Genre, in dem klassisches Ausgangsmaterial nicht „gecovert“, sondern von generativer KI umgedeutet wird. Neural Symphonic beschreibt dabei die Methode ebenso wie den Klang: Klassische Motive, Themen oder Strukturen werden von KI in cinematische Orchesterarrangements transformiert, mit dem typischen Wechsel der Prioritäten. Wo der Barock strukturelle Präzision als Selbstzweck kultiviert, setzt die Gegenwart auf maximale Affektsteuerung: mehr klangliche Dichte, mehr Raum, mehr Gewicht, mehr „Impact“. Moderne Produktionsästhetik gehört hier nicht als Beiwerk dazu, sondern als Grammatik: tiefe Bässe, starker Hall, scharfe Transienten, breite Streicherflächen, eher Filmmusik-Logik als Konzertsaal-Disziplin. Man kann das fairerweise auch als künstlerische Übersetzung lesen: Die KI macht sichtbar, was Trailer Music im Kern ist: ein System, das Harmonie, Rhythmus und Timbre so organisiert, dass sie Emotionen zuverlässig auslösen. Genau das ist legitim, wenn man es als neue Form von Vermittlung versteht, die klassische Substanz für heutige Hörgewohnheiten aufschließt, statt sie in Ehrfurcht zu konservieren. Und trotzdem bleibt die reizvolle Irritation: Aus der barocken Geometrie wird ein emotionales Breitbild, als hätte jemand einen Zirkel genommen, um damit Nebelmaschinen zu bedienen.